Einer der wichtigsten (Moral-)Philosophen des 20. Jahrhunderts Erich Fromm hat in erdrückender Klarheit dazu geschrieben:

„Die Frage lautet immer: was lohnt sich, was bringt Profit? So zu fragen ist im Bereich industrieller Produktion notwendig. Doch das Prinzip der Buchführung, der Bilanz und des Profits wurde zugleich auf den Menschen übertragen und hat sich von der Wirtschaft auf das menschliche Leben überhaupt ausgedehnt. Der Mensch wird zu einem Unternehmen. Sein Kapital ist sein eigenes Leben. Und seine Aufgabe scheint zu sein, dieses Kapital möglichst gut zu investieren. Ist es gut investiert dann hat er Erfolg. Investiert er sein Leben schlecht dann ist er erfolglos. Auf diese Weise wird er selbst zu einer Sache.

Wir können uns aber an der Erkenntnis nicht vorbeimogeln: Wenn der Mensch zur Sache wird ist er tot, auch wenn er physiologisch gesehen noch lebt.

Geld - Geld - Geld

Industrie und Wirtschaft haben sich faktisch so entwickelt, dass sie als Erfordernis zu ihrem Funktionieren den Menschen brauchen, der zum Verbraucher wird; der möglichst wenig Individualität besitzt und der bereit ist, einer anonymen Autorität zu gehorchen. Wobei er der Illusion erliegt, frei zu sein und keiner Autorität zu unterliegen.“

Aber Fromm analysiert nicht nur messerscharf und treffend, er zeigt auch Wege aus der Sackgasse auf:

„Voraussetzung für seelische Gesundheit und das Überleben der Zivilisation ist eine Wiederbelebung des Geistes der Aufklärung. Eines rücksichtslos kritischen und wirklichkeitsnahen – jedoch von rationalistischen Vorurteilen befreiten – Geistes. Und zugleich die Wiederbelebung humanistischer Werte, die nicht gepredigt sondern im persönlichen und gesellschaftlichen Leben realisiert werden.“

Fromm verlangt also völlig zu Recht ein radikales Umdenken: Finde zu dir! Finde dein einfaches, gutes Leben! Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen und scheinbar Gegebenes zu hinterfragen!